Er haust in deinem Garten,
Fragil, gescheckt und braun,
Will auf den Frühling warten,
Auf schönen Blühens Sparten,
Und eilt von Zaun zu Zaun.

Die Töne seiner Lieder
Hat trefflich er gefügt
Und wippt er auf und nieder,
Glänzt Glück ihm im Gefieder,
Weil er sich selbst genügt.

Ein Nestlein will er bauen
Und sucht für diesen Zweck
Den rechten Ort im blauen
Gestade, im Vertrauen
Auf sich und schalkt: Tek-Tek.

Zwar trägt er keine Krone
Im bunten Jetzt und Hier,
Sieht sich nicht als Ikone,
Doch ist er zweifelsohne
Ein König im Revier.

Gern nascht er, pickt nach allen
Insekten, hüpft und hüpft,
Dem Frohsinn ganz verfallen.
Selbst scharfen Katzenkrallen
Er wundersam entschlüpft.

Und auch schon Äsop lehrte,
Daß er am Höchsten fliegt,
Daß er, der Unbeschwerte,
Vom Himmel wiederkehrte,
Vom Adler unbesiegt.

In seinem Traum, trotz kleiner
Gestalt, fast sorgenlos
Lebt er, sich treu, als reiner
Gedanke, frei wie keiner:
Das macht ihn stark und groß.

Sei du ihm gleich und dringe
Als Pfeil durchs Wolken-Zelt,
Erkenne dich und singe
Dein Lied auf Traumes Schwinge
Und pfeife auf die Welt.

© Uwe Nolte, 2016
Aus der Sammlung Scirjaevo