Wer hat dein Antlitz erschaffen,
Rief dich zu Unrast und Waffen,
Brach über dir einst den Stab,
Wer ließ dich unentwegt raffen,
Weil er dir Sucht-Träume gab?

Sprich, woher kommt deine Quelle,
Summe aus Willen und Zelle,
Allvaters menschlichster Sohn,
Bist du verebbende Welle
Kambrischer Radiation?

Warst du ein Engel vor Zeiten,
Schweifend in kosmischen Weiten,
Der seine Schwingen verlor,
Schwiegst du beim jähen Entgleiten,
Als deine Liebe erfror?

Suchtest im Schatten vom Schnitter
Du, als erkorener Ritter,
Treu deinem Hoffen den Gral,
Fandest du Lauheit und Glitter
In deiner Herrlichkeit Saal?

Bist du ermattet in Kriegen,
Müde vom huldlosen Siegen,
Starr, deiner Ewigkeit fern,
Willst du nur unentdeckt liegen
Unter der Einsamkeit Stern?

Wirst du in schwärenden Schwaden
Haschischs, verirrt zwischen Maden,
Dämmern als stummer Tribut
Oder auf sprungfrohen Waden
Jagen den Ursprung vom Blut?

Kannst du in Meskalin finden
Freiheit und Kränze dir binden
Aus Farben, Formen und Licht,
Wirst du im Bannkreis der Blinden
Seher mit weisem Gesicht?

Küßt Du den Abyss, verhohlen,
Taumelnd mit närrischem Johlen,
Bis dich ein Kater zerfrißt,
Wird dich die Grüne Fee holen,
Weil dich doch keiner vermißt?

Liest du aus purpurnem Psalter,
Fliegst du, entrückender Falter,
Wieder in Glut und stirbst stumm,
Wirst du nicht klüger im Alter,
Kühler und klarer, warum?

Niemand kann Antwort dir geben,
Du mußt dich selber erheben,
Atme, erwacht immerzu,
Laß deine Wünsche dich weben,
Lebe: die Antwort bist du.

© Uwe Nolte, 2015
Aus der Sammlung Falke Heime