Ich bin des Meeres Woge
Fast losgelöste Gischt,
Mysterium der Droge,
Bevor der Rausch erlischt.

Ich bin im Flug des Windes
Des Sonnenadlers Schrei,
Das Augenmaß des Kindes,
Durchwebt vom Staunen, frei.

Ich bin das Gestern, Morgen,
Das Heute sehrt mich kaum,
Zu tief, zu tief verborgen
Umlodert mich mein Traum.

Ich bin in Geistes Ferne
Ein Quell aus Kraft und Witz,
Dem Dünkel der Moderne
Entrückter Runenblitz!

Ich bin des Kusses Flamme,
Gesät im Orient,
Von jenem alten Stamme,
Der, wenn er liebt, verbrennt.

Ich bin in Abendgluten,
Ein Schatten oft, schon bleich
Vom treuen Bluten, Bluten
Für meines Wunsches Reich.

Ich bin der Hort, der stumme,
Im Uferschlamm des Rheins,
Bin nichts, bin jede Summe
Vom Hexeneinmaleins.

Ich bin mein lichtes Omen,
Ganz Leib, vom Sternentanz
Umkreist, der Chromosomen
Vollkommenste Allianz.

Ich bin erwacht vom Geben:
Nirwanas Illusion,
Befreit von Tod und Leben,
Erspähe ich, ich schon.

Ich bin des Hungers lichter,
Vom Tier gesandter Sinn,
Des Himmels letzter Dichter:
Ich bin! ich bin! ich bin!

© Uwe Nolte, 2014
Aus der Sammlung Falke Heime