Wer gleicht ihm? wer wacht an der Pforte
Zum Glück, zu Verfehlung und Wein,
Harrt nachts vor erkorenem Horte,
Verkündet die magischen Worte:
Verschwinde, du kommst hier nicht rein!

Wo werden die Hüter geboren,
Gleich ihm, der in Abgründen steht
Obwohl er der Sonne verschworen?
Wer hat sein Gesicht nicht verloren
Vor ihm, seiner Fäuste Poet?

Was wird ihm Behagen bereiten
Und reizvoller pinseln den Leib,
Dem Krieger, entrückt allen Zeiten,
Was kann ihn am Morgen verleiten:
Vergorene Traube, ein Weib?

Im Kreise tanzt in seinen Venen
Oft Ares mit Eros. Vertiert
Kann er auch im Zwielichte lehnen
An Wänden, gesegnet vom Sehnen,
Von Traumgold bestäubt, tätowiert.

Er schützt nicht das Blöken der irren
Gestalten um Glanz und Pokal –
Er hütet, um sich zu entwirren,
Alleinig, wenn Schläge umschwirren
Ihn trefflich, der Männlichkeit Gral!

Stets schweigt er! doch kennt er die Zungen
Der Straße, nach ihm nicht benannt.
Er hat Volkes Masken errungen,
Getragen, erlitten, bezwungen –
In einsamster Stunde verbrannt.

Hoch hält er Diogenes´ Lampe,
Vorm Marktplatz, sucht Göttin und Sinn
In Larven verkommenster Schlampe
In jeder verräucherten Stampe.
So gingen die Jahre dahin…

Sein Antlitz, vom Wachen geschmiedet,
Wird welker, die Jugend verblich,
Sein heldisches Blut ist versiedet.
Noch längst nicht bezähmt und befriedet
Lacht er kaum und wenn, dann für sich.

Nur manchmal scheint jäh zu zerwühlen
Erinnern sein Hirn-Einerlei,
Dann träumt er von den Thermopylen,
Um Unmutes Gluten zu kühlen,
Dann wirkt er verloren, doch frei,

Dann kann er dem Kreise enteilen
Aus Volkes vergeblichem Scherz,
Wird abseits im Nirgendwo weilen
Und lächeln, wenn Schatten von Pfeilen
Verhüllen sein alterndes Herz.

© Uwe Nolte
Aus der Sammlung Wilder Kaiser